Beitrag vom Forummitglied Dennis120787
Grillenzucht
Im Zoofachhandel werden hauptsächlich vier Grillenarten angeboten:
Acheta domesticus - Heimchen
Gryllodes sigillatus - Kurzflügelgrille
Gryllus bimaculatus - Zweifleckgrille
Gryllus assimilis - Steppengrille
Die folgende Zuchtbeschreibung ist für alle vier Arten anwendbar, denn
sie unterscheiden sich lediglich in der Produktivität und der
Entwicklungszeit.
Die Heimchenzucht ist sicherlich die stabilste und produktivste Zucht.
Das Tier selbst hat allerdings einige Eigenschaften, über die man sich
vor dem Verfüttern oder sogar Züchten Gedanken machen muss, Heimchen
können auch mit niedrigen Temperaturen im Zuchtbehälter auskommen
(25C°). Es sind, wie auch die Kurzflügelgrille, äußerst flinke und
sprungkräftige Grillen, die einmal entkommen, einiges an Unheil
anrichten können. In den Sommermonaten vermögen sie die Nächte mit
kräftigen Zirpen auszufüllen. In dieser Jahreszeit besteht ebenfalls
die Gefahr einer ungewollten Vermehrung. Da reichen Blumentöpfe,
Wintergärten mit Pflanzenbehältern oder Zimmerterrarien. Sie suchen
auch gerne Heizungskeller oder Waschräume auf. In den Waschräumen
halten sie sich oftmals in Wäscheteilen auf; mit Vorliebe in
Kleidungsstücken von Kleinkindern, an denen noch Essensreste haften,
dort werden dann nicht nur Essenreste gefressen, sondern der Stoff
gleich mit. Die Folge sind viele kleine und große Löcher in der
Kleidung. In Miethäusern ist schon mancher Streit wegen der kleinen
Heimchen entfacht.
Die Zweifleckgrille und Steppengrille sind deutlich ruhiger. Ihre
Endgröße übertrifft das der Heimchen und Kurzflügelgrillen deutlich,
damit stellen sie einen saftigen Leckerbissen auch für größere Tiere
dar. Da sie auch deutlich langsamer sind, können sie besser und
schneller erbeutet werden. Die schwarze Zweifleckgrille hat einen
Eigengeruch und wahrscheinlich auch Geschmack. Manche Tiere haben sich
schnell satt an diesen Grillen gefressen. Manche Arten verschmähen sie
sogar ganz. Die Steppengrille hingegen ist ein ideales Futtertier,
welches ich somit als Futtergrille favorisiere und auch züchte. Sie ist
zudem weniger kannibalisch. Die Zuchttemperaturen sollten tagsüber bei
30C° liegen. Die Entwicklungszeit der Eier liegt zwischen 10 und 15
Tagen. Bei Zucht der Zweifleckgrille darf die Temperatur nachts nicht
unter 25C° sinken.
Als Zuchtbehälter eignen sich hohe glattwandige Kunststoffbehälter mit
den Mindestmaßen 35x20x20cm L/B/H, die über einen dicht schließenden
Deckel verfügen. Im Deckel befinden sich mit Gaze verschlossene
Lüftungsöffnungen. Die Öffnungen dürfen nicht zu klein sein, damit sich
kein Schwitzwasser im Behälter niederschlagen kann. Die Folge wäre
Schimmelbildung auf dem Futter, und die Förderung eines Milbenbefalls.
Zu trocken darf die Zucht auch nicht sein, da sonst die frisch
geschlüpften Grillen im Behälter Schaden nehmen. Für die
Flüssigkeitsaufnahme eignet sich hervorragend eine Vogeltränke. Der
Eiablagebehälter ist mit einem Blumenerde- Sandgemisch gefüllt. Blähton
oder Seramis sollte als Drainageschicht zuerst eingefüllt werden. Die
Ablagebehälter dürfen nur feucht, aber nicht nass sein, da die Eier
sonst faulen und der Behälter verjaucht. Als Versteckmöglichkeit dienen
Eierkartons, Papprollen oder zerknülltes Packpapier.
Gefüttert wird in einer Futterdose mit Feucht und Trockenfutter. Als
Trockenfutter eignen sich Kükenpellets, Gemüseflocken, Haferflocken,
Fischfutter (Teichfutter), Katzenbrekkis, Weizenkleie. Feuchtfutter
besteht aus Obst, Salaten, Löwenzahn, Karotten und Kräutern. Die Menge
des Grünfutters sollte kontrolliert werden, da die Zuchtbehälter sonst
schnell verdrecken und abermals eine Schimmelbildung gefördert wird.
Wichtig ist es hochwertige Futtertiere heranzuziehen und somit eine
Vitam- und Mineralstoffreiche Kost anzubieten.
Ist der Zuchtbehälter fertig bestückt, gibt man ca. 5-10 männliche und
20 weibliche ausgewachsen Grillen hinein. Die Weibchen erkennt man
leicht an ihren langen Legestacheln. Die Anzahl der männlichen Tiere
sollte immer deutlich niedriger liegen, da sie nur unnötig den Behälter
belasten. Die Weibchen legen nun ständig Eier in den Ablagebehälter ab.
Durch Austausch der Eiablagebehälter, kann die Aufzucht der kleinen
Grillen separat erfolgen. Die Entwicklungszeit zur ausgewachsenen
Grille beträgt ungefähr 50 Tage, die Lebenserwartung bis zu 130 Tagen.
Wichtig ist eine regelmäßige Reinigung der Zuchtbehälter von
Futterresten und Kot, und der Austausch des Füllmaterials.